Das Aus für Russlands Leichtathleten – vorläufige Suspendierung wegen Dopingskandal

Freitag der 13. November war wahrhaftig ein schwarzer Tag für die gesamtrussische Leichtathletik-Föderation. Nach einer mehrstündigen Telefonkonferenz traf der Leichtathletik-Weltverband IAAF den Entschluss den russischen Verband vorläufig von allen internationalen Wettkämpfen zu suspendieren.

In einem mehr als 300-seitigen Report von der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) wurde der russische Leichtathletik-Verband am Montag den 9. November wegen Korruption angeprangert und dessen Ausschluss von zukünftigen internationalen Wettkämpfen vorgeschlagen. Acht Athleten und Funktionären, darunter mehrere Olympiasieger, wird organisiertes Doping vorgeworfen. Die nationale Anti-Doping-Agentur Rusada wirkte ebenso wie das Anti-Doping-Labor und dessen Leiter Gregorie Rodschenkow an der Vertuschung von positiven Proben mit. Darüber hinaus existierte ein „Schatten-Labor“, mit dessen Hilfe gedopte Sportler offen präventiv getestet und gegebenenfalls an der Reise zu Wettkämpfen gehindert werden konnten. Dem Moskauer Anti-Doping-Labor wurde sofortig die WADA-Akkreditierung entzogen. Außerdem erklärte der bisherige Leiter des Labors seinen Rücktritt.

Der Doping-Skandal hätte bereits einige Jahre früher ans Licht kommen können. Die IAAF blockierte jedoch die Veröffentlichung einer brisanten Doping-Studie zur WM im Jahre 2011. Die Studie belegte, dass ca. 30 Prozent von insgesamt 1800 WM-Teilnehmern in den zwölf Monaten vor den Wettkämpfen gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen haben. Hierbei handelte es sich um einen ernsten Eingriff in die Publikationsfreiheit.

Am vergangen Freitag entschied die lAAF über die Konsequenzen des russischen Dopingskandals. Obwohl nicht alle Teammitglieder positiv getestet wurden, kam es zum kollektiven Ausschluss des gesamten russischen Leichtathletikverbands für zukünftige internationale Wettkämpfe. Außerdem darf Russland weder den Geher-Weltcup 2016 in Tscheboksary, noch die Junioren-Weltmeisterschafen in Kasan ausrichten. Am meisten wird Russland jedoch die vorläufige Suspendierung von den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio treffen. Die einzige Chance für die Teilnahme in Brasilien ist, dass sich Russland kompromissbereit zeigt und gewisse Reformen einhält. Zum einen muss die gesamte Führungsriege des russischen Teams durch Neuwahlen ausgewechselt werden, zum anderen muss es eine Übereinstimmung mit den IAAF-Forderungen und der Anti-Doping-Gesetzgebung gegeben sein.

Dieses Urteil ist die härteste Strafe, die jemals von der IAAF verhängt wurde und stieß bei einigen Parteien auf Gegenwind. So äußerte sich Putin: „Sportler, die nie etwas mit Doping zutun hatten, sollten nicht die Verantwortung übernehmen müssen für andere, die die Regeln verletzen.“ Auch die russische Athletin Jelena Issinbajewa, Stabhochsprung-Weltrekordlerin, rebellierte gegen die Kollektiv-Strafe: „Warum sollten saubere Athleten wegen der Fehler anderer Sportler leiden? Die IAAF sollte objektiv sein und jeden Fall einzeln betrachten.“

Dass eine Strafe mit derartigem Ausmaß verhängt wurde, war Absicht und gut durchdacht. Mit einem besonders harten Urteil soll ein Warneffekt für andere Länder erzielt werden, die vielleicht auch nicht den WADA-Standards entsprechen. Doping betrifft nicht nur Russland, sondern ist ein globales Problem. Sportliche Wettkämpfe sollen fair und gerecht ausgetragen werden. Durch leistungssteigernde Mittel verschaffen sich Sportler einen illegalen Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten. Der Wille zu Siegen lässt Sportler oft vergessen, was ein positives Dopingergebnis für Folgen mit sich bringt. Gedopte Sportler nehmen oft hohe Strafen und gesundheitliche Schäden in Kauf, um neue Bestleistungen und Rekorde zu erzielen. Doch nicht nur für die Athleten selbst ist Doping ein Risiko. Der gesamten Sport leidet massiv unter der Nichteinhaltung der Fair-Play Werte. Die einzige Möglichkeit, Dopingfälle zu reduzieren, sind noch schärfere Kontrollen und härtere Strafen. Man kann nur hoffen, dass Fälle wie der in Russland, bei Sportlern abschreckende Wirkungen erzielen werden. Vor allem Teamsportlern sollte bewusst werden, dass ein Dopingskandal nicht nur einem selbst, sondern dem gesamten Team schadet. Doping hat im Sportmetier nichts verloren und gehört bestraft.

Autoren: Alessandra Veit, Carmen Fuhrmann, Marius Rösch, Philipp Kemmer

Quellen:

data.jpg, 16.11.2015.

http://www.zdfsport.de/ZDF/zdfportal/blob/40992644/1/data.jpg, 16.11.2015.

http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/doping-enthuellungen-russischen-leichtathleten-drohen-lange-sperren-13753047.html, 16.11.2015.

http://www.spiegel.de/sport/sonst/iaaf-suspendiert-russlands-leichtathleten-nach-dopingskandal-a-1062781.html, 16.11.2015.

http://www.zdfsport.de/russland-iaaf-leichtathletik-doping-russland-reformen-nach-dem-iaaf-bann-40983144.html, 16.11.2015.

http://www.t-online.de/sport/leichtathletik/id_76144918/leichtathletik-doping-kollektivstrafe-russische-athleten-protestieren.html, 16.11.2015.

http://www.spiegel.de/sport/sonst/dopingskandal-putin-warnt-vor-kollektivstrafe-gegen-russische-leichtathleten-a-1062371.html, 16.11.2015.

http://www.sport1.de/leichtathletik/2015/11/doping-skandal-russland-vom-leichtathletik-verband-iaaf-vorlaeufig-suspendiert, 16.11.2015.

http://www.sueddeutsche.de/sport/doping-skandal-um-russland-erstmal-raus-1.2737480, 16.11.2015.

16 Kommentare zu „Das Aus für Russlands Leichtathleten – vorläufige Suspendierung wegen Dopingskandal

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  1. Doping im Sport geht gar nicht. Viel schlimmer als das Doping eines einzelnen Sportlers finde ich aber, dass die nationale Anti-Doping Agentur und auch die Labore daran beteiligt waren/sind und die IAAF die Veröffentlichung einer brisanten Studie blockiert hat.
    All dies schadet dem Sport. Wenn die Dopingsünder sofort entlarvt und gesperrt würden, und dies alles auch veröffentlicht würde, würde die Glaubhaftigkeit steigen und der Sport würde nicht so einen großen Schaden nehmen.

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  2. Ich bezweifle leider, dass die IAAF den Ausschluss des russischen Leichtathletikverbandes durchziehen wird. Am Ende nimmt Russland doch an den Olympischen Spielen teil und alles ist wie zuvor. Natürlich werden an der Spitze des Verbands ein paar Köpfe rollen – aber wer glaubt schon, dass sich dadurch groß etwas ändert?
    Ein Anfang wäre schon getan, wenn man die nationalen Dopingagenturen flächendeckend mit internationalen Kontrollen ersetzt, da die bisherige Vorgehensweise eben doch etwas zu anfällig für Betrug ist.

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  3. Eine zweifellos harte Strafe für den russischen Verband. Allen Voran saubere Sportler leiden extrem unter dieser Entscheidung. Die harte Arbeit und jegliches Training waren im Endeffekt umsonst und das nur wegen einer minderheit im Verband die gedopt haben. Möglicherweise aber eine Abschreckung die in Zukunft weiter Skandale verhindern kann. Obwohl bisher noch keine Sanktion wegen Dopings abschreckend genug für Sportler war um sich nicht zu dopen.

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  4. Ich vertrete die Entscheidung der IAAF vollkommen.
    Zwar ist es schade für Sportler die ihr Leben lang für diese Momente trainieren,
    jedoch gibt es immer irgendwo ein „Schwarzes Schaf.“
    Sport steht für Fairness! Deshalb finde ich es wirklich ungerecht, dass sich einige
    durch Doping Vorteile verschaffen wollen.

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  5. Meiner Meinung nach sollten sie da keine Grenzen setzen. Wenn die Sportler dopen wollen, tun sie es. Da kann kaum eine Reform dagegenwirken.
    Gutes Beispiel ist hier der Radsport. 70 % der Radfahrer sind gedopt. Ab und zu wird es doch rausgefunden.
    Es stimmt schon, dass Doping den Sport kaputt macht, aber wenn man es zu lässt, sind alle wieder auf dem gleichen Stand. Nach und nach machen sie damit ihren Körper kaputt und merken es vielleicht selbst. Aber das wird man wohl nie herausfinden!

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  6. Es ist ein geschlossenes staatliches Dopingsystem . In diesem kann es per Definition keine unschuldigen Athleten geben. Jeder weiß was los ist, was der andere macht und jeder kann entscheiden, ob er mitmacht oder nicht. Demnach ist die Kollektivstrafe meiner Meinung nach durchaus berechtigt .

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  7. Ich finde es immer wieder schade so etwas zu höhren. Sauberen Sport scheint es heute wohl nichtmehr zu geben. Bei so einem Ausmaß finde ich es völlig okay so eine Strafe zu verhängen. Putin wird sich freuen.

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  8. Schade, dass es im Sport soweit kommen musste… Die Strafe finde ich gerechtfertigt! Doch ich glaube nicht, dass mit Strafen das Dopen bekämpft wird… Doping wird es, leider, immer geben… vor allem bei all dem Druck unter dem die Athleten stehen…. Besser wär es, noch mehr Kontrollen einzuführen!

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  9. Ich kann diese Entscheidung nur unterstützen! Ein mutiger und großer Schritt aktiv gegen solch einen großen Verband vorzugehen aber da darf man sich auch nicht einschüchtern lassen…

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  10. Das harte Urteil gegen den Verband hat hoffentlich Signalwirkung auch für andere Verbände wie Kenia und Jamaika die mit ähnlichen Praktiken ihre Sportler pushen. Insgesamt sollte aber das gesamte Anti Doping System überarbeitet und nicht mehr von nationalen Einrichtungen übernommen werden sondern von wechselnden internationalen, so dass Korruption und Bestechung verhindert wird und der sauberer Sport gewinnt.

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  11. Ich find dies eine super Idee, als Abschreckung. Eines ist klar, Russland wird bei den Olympischen Spielen in Rio mit dabei sein. Aber wer weiß, vllt bekommt China als nächstes eine solche komplett Sperrer?!?

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  12. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung! Manchmal sind drastische Maßnamen notwendig wenn andere Strafen keine Wirkung zeigen. Doping hat im Sport nichts verloren und wer sich nicht an die Spielregeln hält darf wie wir alle wissen nicht mitspielen.

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  13. Der IAAF hat mit dem Beschluss ein klares Statement gegen Doping gesetzt. Die Entscheidung war richtig, denn Doping hat im Sport nichts zu suchen. Es ist Schade dass jetzt das gesamte Team „mitleiden“ muss aber hieraus lernen die anderen Sportler hoffentlich.

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  14. Endlich wird mal ein Zeichen gesetzt! Hoffentlich gilt diese Maßnahme für alle Sportler und Verbände, die über Doping nachdenken als Abschreckung. Jedoch sollte auch das Gesamtkonstrukt Leistungssport hinterfragt werden. Ist es überhaupt möglich ohne Doping oder ähnliche Substanzen eine konstante Leistung zu bringen und dem Druck Stand zuhalten?

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  15. Die Tatsache, dass Russland meist eh macht was es will trifft mal wieder zu. Was ich nicht verstehe ist aber: wie kann es sein, dass ein russisches Institut das Doping überwacht und nicht ein internationales Team aus allen Nationen? Dadurch würden sich die konkurrierenden Nationen gegenseitig kontrollieren.

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