Die Beeinflussung der Hamburger Bevölkerung durch Lokalmedien – und dennoch scheiterte die Olympia-Bewerbung

Das Volk hat entschieden, jetzt ist es offiziell: Hamburg wird sich nicht für die Olympischen Sommerspiele 2024 bewerben. Die Bemühungen der lokalen Hamburger Medien, die Bevölkerung für Olympia zu begeistern, sind gescheitert.

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Wer die Medien in den letzten Tagen verfolgt hat, dem wurden nicht nur die Flüchtlingskrise oder der Terror an den Kopf geworfen, sondern auch ein sportliches Thema angeboten. Die Olympia-Bewerbung Hamburgs scheiterte an der Zustimmung der Bevölkerung. Nun ist die Stadt, aber vor allem die lokalen Medien, eben doch nicht mehr „Feuer und Flamme“ für Olympia. Das sah letzte Woche noch ganz anders aus. Wer die „unabhängige“ und „meinungsfreie“ Presse in und um Hamburg verfolgt hat, dem wurde rasch klar: die Zeitungen haben sich schon für Olympia entschieden. Kann dann noch von meinungsfreier Berichterstattung gesprochen werden?

Durch die Medien-Partnerschaften der Spiele-Lobby, unter anderem zum Verlagshaus Axel Springer und dem Hamburger Abendblatt, wurde eine gemeinsame Werbeaktion der vier führenden Hamburger Medien gestartet. Diese Werbeaktion war klar für eine Olympia-Bewerbung Hamburgs. Die Werbeaktion führte allerdings dazu, dass die lokale Presse fast ausschließlich positive Berichterstattung zur Bewerbung veröffentlichte und mit einer Sonderausgabe der „Bild“ und des „Abendblatts“ dem Ganzen die Spitze aufsetzte.

Hätte die Stadt Hamburg den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhalten, wären immense Kosten auf Bund und Land zugekommen. Durch zahlreiche schlecht geplante Großprojekte wie zum Beispiel die Elbphilharmonie oder dem Berliner Flughafen, ist die Bevölkerung zu Recht skeptisch, was die Budgetplanungen für solche Projekte angeht. In den Berichterstattungen der lokalen Hamburger Medien wurden diese immer als mehrfach geprüft und zuverlässig ausgeschrieben. Zieht man die geschätzten Einnahmen von rund 3,8 Mrd. Euro ab, würde noch eine Summe von 7,4 Mrd. Euro abzuleisten sein. Ob der Bund die 6,2 Mrd. Euro, welche als dessen Anteil angegeben war übernimmt, war zum Zeitpunkt des Referendums noch unklar. Dann müsste die Stadt Hamburg noch weitere 1,2 Mrd. Euro zum Großprojekt beitragen. Das bei diesen stattlichen Summen und den Unklarheiten bezüglich der Beteiligung des Bundes, die Bürger der Stadt Hamburg skeptisch sind, ist wohl nachvollziehbar.

Gerade bei finanziellen Themen sollten die Medien eine unabhängige Betrachtung der Projekte anstreben und diese auch frei von Einflüssen bewerten. Durch die Kooperationen und Werbeverträge mit großen Medienunternehmen, wird ein schlechtes Licht auf die Presse und deren freie Berichterstattung geworfen. Durch zahlreiche Korruptions- und Manipulationsskandale stehen gerade der Sport und die unabhängige Aufklärung momentan in der Öffentlichkeit unter einem schlechten Stern. Um dieses Image von der Presse fern zu halten, sollten sich die führenden Medien über solche Kooperationen in Zukunft gut beraten, um deren Ruf nicht zu schädigen.

In einer Zeit von Partnerschaften und Kooperationen sind auch die Medien nicht mehr ganz so frei wie sie sich selbst gerne in der Öffentlichkeit inszenieren. Solche Medien-Partnerschaften führen dann dazu, dass die unabhängigen Medien sich eben doch durch Partnerschaften zu einem Thema positiv äußern müssen. An diesem Punkt stellt sich dann die Frage in wie weit auch Berichterstattungen über sportliche Ereignisse manipuliert bzw. durch Partnerschaften beeinflusst werden und in wie weit die Glaubwürdigkeit bei brisanten sportlichen Themen darunter leidet.

Klar ist aber auch, dass das Beispiel Olympia-Bewerbung nur teilweise als Manipulation wahrgenommen werden kann. Doch wie sieht das ganze bei Skandalen, Korruption oder Missständen aus? Werden durch solche Medien-Partnerschaften mit Veranstaltern oder Verbänden die Meinungs- und Pressefreiheit, vor allem aber die Berichterstattung über sportliche Themen, in Deutschland ungewollt eingeschränkt?

Foto: http://polpix.sueddeutsche.com/polopoly_fs/1.2759648.1448795795!/httpImage/image.jpg_gen/derivatives/860×860/image.jpg, 01.12.15

https://www.tagesschau.de/inland/hamburg-olympia-107.html, 01.12.15

http://www.sueddeutsche.de/sport/referendum-in-hamburg-ja-zu-olympia-aber-1.2757189, 30.11.15

http://www.sueddeutsche.de/sport/referendum-in-hamburg-ein-ja-zu-olympia-wuerde-die-kassen-oeffnen-1.2756062, 30.11.15

http://www.hamburg.de/spiele-fuer-hamburg/foerderkreis/4438642/medien-fuer-hamburg/, 01.12.15

http://www.sueddeutsche.de/sport/olympia-wie-hamburgs-medien-die-olympia-bewerbung-foerdern-1.2749977, 01.12.15

16 Kommentare zu „Die Beeinflussung der Hamburger Bevölkerung durch Lokalmedien – und dennoch scheiterte die Olympia-Bewerbung

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  1. Vielleicht ist auch die Presse teilweise mitverantwortlich für die Ablehnung. Gerade in Zeiten, in denen die Presse kritisch von Teilen der Bevölkerung betrachtet wird (Stichwort ,,Lügenpresse“) sollten die Medien darauf bedacht sein, eine relativ neutrale Haltung zu (politischen) Großprojekten einzunehmen. Das Vertrauen in Politik und Journalismus wurde in Hamburg in den vergangenen Tagen und Wochen jedenfalls nicht bestärkt.

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  2. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Presse einen gewissen Anteil an der Entscheidung gegen Olympia trägt. Für viele Hamburger äußert sich die Presse schon lange Zeit nicht mehr neutral. Vielleicht war also das derzeitige Missvertrauen in den Journalismus und die Politik mit ausschlaggebend.

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  3. Eigentlich find ich es legitim wenn sich Unternehmen für ihre Stadt engagieren, auch im Fall Olympia. Ich meine viel Hamburger Unternehmen hätten bestimmt von den Spielen mit profitiert. Das dieses Engagement der Medienunternehmen die Pressefreiheit einschränkt, wäre mir wohl selbst nie aufgefallen. Interessanter Gedankenanstoß!

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  4. Es ist schade dass Deutschland die Chance verpasst hat sich für ein großes Event zu bewerben. Es wird wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren keine Bewerbung mehr geben. Dies wird ein großer Abbruch für den deutschen Sport zufolge haben.

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  5. Hoffentlich hat diese Entscheidung keine Auswirkungen auf andere Sportarten. Letztendlich muss man aber die demokratische Entscheidung akzeptieren, egal wie sie im Vorfeld beeinflusst wurde.

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  6. Ein herber Rückschlag für Deutschland im Wettlauf für die Olympischen Spiele. Ich bin mir jedoch sicher, dass diese Entscheidung keine Auswirkungen auf andere Sportarten und deren Verbände und Turniere haben wird.

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  7. Es ist generell kritisch, wenn Medien einseitig berichten – egal ob negativ oder, wie in diesem Fall, positiv. Ich denke auch, dass es in diesem Fall negativ gewirkt haben kann, da die Olympiagegner gut und logisch die negativen Aspekte aufgezeigt haben. Dadurch haben sich manche vielleicht gefragt, was ihnen noch alles verheimlicht wird, wenn die Presse schon über die bekannten Probleme nicht berichtet und nichts hinterfragt.

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  8. Also ich finde ja, dass die Presse bei einer Sache wie Olympia schon mal ein bisschen Partei ergreifen können. Die Austragung von Olympischen Spielen sind unglaublich imagefördernd. Da profitiert neben der Stadt Hamburg der gesamte deutsche Sport. Wieso also sollten die Medien nicht sagen dürfen: „Olympia ist gut“??

    Meine Meinung: Große Chance verpasst! Traurig für den deutschen Sport! Damit dürfte Deutschland über Jahre nicht mehr als Veranstalter einer großen Sportturniers in Frage kommen…

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  9. Tja somit wird Deutschland in Zukunft nicht so schnell als Austragungsort in Betracht gezogen werden. Schade eigentlich, dass man hier eine solche Chance liegen lässt.

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  10. (Mein Kommentar wurde nicht abgeschickt, dann nochmal)

    Also ich finde es äußerst schade, dass so eine Großveranstaltung wie Olympia nicht in Deutschland/ Hamburg stattfindet… Klar, es ist eine sehr teure Veranstaltung und hat viele Auswirkungen auf die ganze Stadt, sowohl positive wie die Auslastung aller Hotels etc und die vielen verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen die anreisen, als auch negative, wie im Text schon erwähnt… Ich kann die Ängste der Bevölkerung in Hamburg zwar nachvollziehen, doch ich glaube Olympia in Hamburg wär ein schönes Ereignis gewesen…

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  11. Ich finde es eigentlich in nachvollziehbar wenn man ein solches Großprojekt und die damit verbundenen kosten anlehnt, vor allem in Anbetracht der vielen großen Projekte der jüngsten Zeit bei denen die Kalkulationen alle viel zu niedrig angesetzt waren…

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  12. Ich denke das sich viele Zeitungen und Zeitschriften von der Politik oder von Lobbyisten beeinflussen lassen. Nicht unbekannt ist z.B. die Tatsache, dass die Tatz sehr links orientiert ist. Also würde es mich nicht wundern, wenn die ein oder andere Information auch mal unter den Tisch gekehrt wird.

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  13. Eigentlich sollte es ja so sein, dass die Macht vom Volk ausgeht.
    Leider hat aber die Merkel die Demokratie vollkommen abgeschafft und eine Politik schein erschaffen zu sein welche starrsinnig gegen die Interessen der Bürger betreibt.
    Auch die Politik in Hamburg wollten die Spiele, und nun hat das Volk entschieden. Es erfolgt, glücklicherweise, keine Bewerbung. Dieser Staat ist total überschuldet.

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  14. Da muss ich Cynthia recht geben…
    Wir leben in einer Zeit, in welcher ein JA zu dieser Abstimmung fast unmöglich scheint.
    Steuergeldverschwendung wohin man sieht, Milliardendeals nach Griechenland, Doping- und Bestechungsskandale im Sport, Anschläge überall in der Welt, wachsende Armut in Deutschland und die Flüchtlingswelle die uns trifft und keiner unserer Politiker hat mir bisher glaubhaft erklären können, was hier eigentlich grade abläuft und dann erwartet man ein JA zu einem millardenschweren Ereignis, das Unmengen an Geld verschlingt, die Terrorgefahr steigert und angeblich unser Ansehen in der Welt erhöht?

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