Der Boxsport vor dem K.O.?

4 Verschiedene Verbände, 4 verschiedene Gürtel, unübersichtliche Strukturen und Sieg nach Punkten. Schafft das Boxen sich selber ab?

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Am Samstag den 5. Dezember war es wieder soweit. Boxen auf RTL, der Schwergewichtskampf um die Weltmeisterschaft. Es stieg der Kampf zwischen dem mehrfachen Weltmeister Wladimir Klitschko und seinem Herausforderer aus England Tyson Fury. Klitschko, als jahrelanger Titelverteidiger, wieder der Favorit, unterlag diesmal seinem Herausforderer nach 12 langen und zum Großteil unspektakulären Runden. Fury ist mit diesem Sieg Weltmeister der Verbände WBA, WBO, IBF und IBO.

Bei den Verbänden beginnt auch das Problem im Boxen. Jeder Verband vergibt seinen eigenen Weltmeistertitel in Form eines Gürtels. Ein zentraler Weltverband ,der die Landesverbände organisiert, existiert nicht. Die vier Boxverbände sind deswegen eher als Unternehmen zu betrachten, nicht als Verbände. Sie arbeiten gewinnorientiert, jeder will den lukrativsten Kampf veranstalten, denn 3% der Kampfbörsen gehen an den Verband. „So eine Titelinflation ist tödlich fürs Boxen“ sagt der ehemalige Boxer Luan Krasniqi. Es fehlt an Übersichtlichkeit und der klaren Ansage, dass es nur einen Weltmeister geben kann.

Ein weiteres Problem, das sich aus der 4 Verbände-Problematik ergibt, ist die Vermarktung. Das Management der Boxer ist verantwortlich für die Vermarktung des Kampfes und der Verhandlungen mit den TV Sendern. So ist Wladimir Klitschko vertraglich noch zu vier Kämpfen verpflichtet, die RTL übertragen will. Ob es dazu kommt ist fraglich. Zumindest den Rückkampf gegen Fury will Klitschko noch bestreiten. Zudem fehlt es an Nachwuchs. Im TV ist Boxen, nach Fußball, die beliebteste Sportart. Allerdings üben den Sport vergleichsweise wenig Jugendliche aus. Es ist kein Nachfolger für die seit über einem Jahrzehnt dominierenden Klitschko Brüder in Sicht, weder national noch international. „Ali hatte Frazier, Holyfield hatte Tyson, die Klitschkos haben nur sich“ schreibt die F.A.Z.

Daran wird auch die Niederlage Wladimir Klitschkos am Samstag nichts ändern. Ein Sieg nach Punkten, wie er langweiliger nicht hätte sein können. Ein K.O. Sieg hätte die Ära Klitschko vielleicht beendet. So wurde bereits wenige Tage später ein Rückkampf verkündet.

Verbände und vor allem einzelne Boxer wie Floyd Mayweather  samt Management streichen Gagen im dreistelligen Millionenbereich ein. Wohlgemerkt pro Kampf. Von diesen Summen fließt zu wenig zurück in den Sport, um eine nachhaltige Förderung aufzubauen. Was von seinem, schon im Voraus als „Kampf des Jahrhunderts“, angepriesenen Fight gegen den Philippinen Pacquiao in Erinnerung bleibt, ist nicht der Kampf gewesen sondern das Spektakel darum. Der betriebene Irrsinn ist auch Grund dafür warum sich die breite Öffentlichkeit vom Boxsport abwendet.

Ein Verband der nicht nur auf die eigenen Zahlen und das eigene Prestige schaut, sondern das Wohl des Boxsports im Sinne hat, wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Eine gute Nachwuchsarbeit und verbesserte Strukturen würden dem Sport helfen. Das Boxen bietet eigentlich alles was sich der sportbegeisterte Zuschauer wünscht. Ein Kampf Mann gegen Mann (Frau gegen Frau), der Verlierer am Boden, der Gewinner gefeiert. Der Sport hat eine lange Tradition und hat große Namen wie Muhammad Ali, George Foreman, Mike Tyson und Max Schmeling hervorgebracht. Jetzt muss er aufpassen durch die Gier der Verbandsfunktionäre und Manger nicht zerstört zu werden.

Autoren:

Stephan Gunser, Julia Gatto & Julia Könnel

Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/sport/zukunft-von-klitschko-wie-vitali-wladimir-aus-der-krise-holen-will-1.2759335

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.luan-krasniqi-im-gespraech-der-boxsport-rutscht-in-eine-tiefe-krise-page1.f6915140-c6dc-4ef2-930b-06d78032ac3f.html

http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/box-schwergewicht-einsame-faeuste-1607361.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

http://www.quotenmeter.de/n/82310/klitschko-auf-dem-weg-nach-unten

http://www.sueddeutsche.de/sport/kampf-von-floyd-mayweather-enttaeuschung-als-prinzip-1.2462830

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17 Kommentare zu „Der Boxsport vor dem K.O.?

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  1. Als Erstes muss ich mal sagen, der Sport hat richtig an Attraktivität verloren. Meiner Meinung nach ist das kein Boxen mehr, früher gab es viel mehr Dramatik.
    Und diese ganzen verschiedenen Gürtel der Verbände empfinde ich auch als überflüssig. Es sollte einen Gürtel für jede Gewichtsklasse geben und gut ist. In einem anderen Sport bekommt der Weltmeister auch nicht unzählige Pokale…

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  2. Klitschko ist halt auch nicht mehr der Jüngste 😀 Ich bin gespannt ob ein Rückkampf stattfinden wird. Dass es scheinbar keine Nachfolger mehr für die Brüder gibt, finde ich krass…

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  3. Das war vorherzusehen dass irgendwann der Tag kommt. So wie Carmen bereits meinte…Klitschko ist eben auch nicht mehr der jüngste…. Auf einen Rückkampf ist definitiv zu hoffen. Auch der Ehre wegen.

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  4. Das ist das gleiche wie beim Eishockey und Football. Früher waren die Regeln einmal weniger streng und dem Sport blieb mehr Freiraum zur Entfaltung. Heutzutage dämmt das große Regelwerk den Sport ein. Dadurch verliert er, wie Chris schon sagte, an Attraktivität für den Zuschauer.

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  5. Ich finde, es sollte einen Verband und damit einen Weltmeister geben. Ich finde es nur verwirrend wenn es 4 Weltmeister gibt und dieser fehlende Überblick und Klarheit schadet dem Sport.

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  6. Leider geht’s beim Boxen doch nur noch ums Geld. Auch den Boxern selbst – so empfinde ich es zumindest – ist ein Titelgewinn oft gar nicht mehr so wichtig. Wenn schon der Verlierer eines Kampfes um die 10 Millionen bekommt, dann stimmt da halt irgendwas nicht. Für 10 Millionen würde ich mich auch ’ne Runde lang verschlagen lassen.
    Dass es vier verschiedene Verbände und damit vier Gürtel gibt, habe ich bislang nicht wirklich als störend empfunden. Meiner Meinung nach besteht darin auch ein gewisser Reiz, nämlich durch eine Niederlage gleich vier Gürtel auf einmal zu verlieren – so wie Klitschko zuletzt.

    Dennoch: Eure Argumente sind gut und richtig. Toller Text!

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  7. Klitschko war ganz klar nicht ganz bei der Sache! Und mal ehrlich, nach so einer langen Zeit darf, wenn man das so sagen kann, er sich auch mal eine Niederlage erlauben.

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  8. Natürlich ist Klitschkos Niederlage eine Schlagzeile, nach solch einer extrem langen Zeit mit durchgehenden Siegen. Er wird diese Niederlage gut verkraften. Ausserdem steht vertraglich der Hauptkampf plus einen Nachkampf fest. Ich bin gespannt, wie er sich im Nachkampf schlagen wird…

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  9. ich muss sagen dass ich diese ganze Sache mit den verschiedenen Verbänden nie richtig nachvollziehen konnte… das macht meiner Meinung nach alles nur viel zu kompliziert…

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  10. Ich bin dafür, dass solange geboxt wird, bis ein Boxer K.O. geht. Die Kämpfe sollten alle unter dem Dach eines großen Verbandes stattfinden. Ob es möglich ist die großen Geldsummen zu reduzieren halte ich für fraglich.

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  11. Allgemein finde ich Boxen uninteressant. Kann daran liegen, dass die Klitschkos quasi Monopolstellung im schwergewichtsboxen genießen. Das einzig halbwegs interessante ist das Spektakel drum herum. Wenn ich mir überhaupt einen Boxkampf anschaue, dann ein leicht- oder Mittelgewichts Kampf. Schwergewichtsboxen ist meiner Meinung nach zu träge und langsam. Mehr Action, weniger Taktik beim Boxen würde mir gefallen. Aber wer will sich schon freiwillig ohne Deckung in den Boxring stellen… 😜

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  12. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Boxen sehr uninteressant ist. Das Bestehen verschiedenere Verbände kann ich nicht verstehen und bringt viele Probleme mit sich. Ein Verband würde die Sache um einiges einfacher machen und für die Zuschauer vor allem übersichtlicher.

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  13. Ich bin auch der Meinung das es ein Verband geben sollte, das wäre wohl für den ganzen Boxsport das beste. Und das Klitschko mal verliert war ja wohl auch absehbar.

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  14. Boxen ist meiner Meinung nach einer der schlechtesten Sportarten der Welt. Das einzig interessante ist ein K.o. Eines Sportlers. Sonnt wird er von Langeweile beherrscht

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  15. Früher habe ich die Boxkämpfe noch sehr aktiv verfolgt und gerne angeschaut. Allerdings merkt mittlerweile sogar ein Unerfahrener, dass es nicht mehr um den Sport sondern ums Geschäft geht. Es sollte eigentlich klar sein, dass in jedem Sport die Jugend gefördert werden sollte. Wenn es so weiter geht wie bisher werden sich mit Sicherheit immer mehr Menschen vom Boxen abwenden und der Sport wird langsam aussterben. Ich hoffe, dass sich da bald etwas ändert. Falls nicht, wars das mit Boxen.

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  16. So toll siehts zur Zeit mit dem Boxsport leider nicht mehr aus. Es fehlen einfach die mitreisenden Charaktere und die Konkurrenz durch die UFC ist verdammt hoch.
    Aber wir werdens ja sehen, ob sich der Boxsport wieder fängt

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