Keine Besserung in Sicht

Am 26. Februar steht die FIFA-Präsidentschaftswahl an. Gibt es unter den Kandidaten einen geeigneten Nachfolger von Sepp Blatter?

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Wahrscheinlich saß er beleidigt und in Selbstmitleid versinkend zu Hause auf seinem Designersofa. Aufgrund seiner 90-tägigen Sperre, die ihm von der FIFA-Ethikkommission verhängt wurde, durfte Michel Platini nicht bei der Auslosung zur Endrunde der UEFA Europameisterschaft 2016 in Paris vor Ort anwesend sein. Besonders bitter: Auf Platinis Drängen hin wurde die Anzahl der teilnehmenden Länder von 16 auf 24 erhöht – und jetzt darf er bei „seiner“ Auslosung nicht dabei sein.

Es könnte sogar noch schlimmer kommen für den derzeitigen UEFA-Präsidenten. Sollte Platini nach seiner Anhörung am 18. Dezember drei Tage später von der Ethikkommission verurteilt werden, wäre er endgültig für jegliche Tätigkeiten bei der UEFA gesperrt. Somit wäre auch seine Kandidatur zum FIFA-Präsidenten vom Tisch. Offiziell endet die Suspendierung Platinis am 5. Januar 2016. Sollte er tatsächlich freigesprochen werden, wird er wohl als Kandidat zur Präsidentschaftswahl am 26. Februar 2016 antreten.

Bei einer Sperre wird anstelle von Platini Gianni Infantino als Kandidat des europäischen Fußballverbandes ins Rennen geschickt. Die vier weiteren zur Wahl zugelassenen Kandidaten sind Prinz Ali bin al-Hussein, Tokyo Sexwale, Jerome Champagne und Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa. Hier ein Überblick über die fünf Kandidaten:

Gianni Infantino (45). Der jetzige UEFA-Generalsekretär wird, wie bereits erwähnt, nur dann kandidieren, wenn Platini gesperrt wird. Man kennt den Italo-Schweizer vor allem von zahlreichen Auslosungen sämtlicher europäischer Fußballwettbewerbe. Dort wirkt er sympathisch und kompetent – auch weil er zahlreiche Sprachen fließend spricht. Jedoch gilt er als enger Vertrauter von Platini. Man könnte ihn sogar als seinen Handlanger bezeichnen. Infantino wäre also keinesfalls ein neutraler und unvoreingenommener Kandidat, da er seit Jahren mit im UEFA-Sumpf steckt. Selbst bei einer gewonnen Wahl könnte er unter dem Einfluss von Platini stehen, wäre quasi dessen Marionette.

Prinz Ali bin al-Hussein (39). Al-Hussein ist Präsident des jordanischen Fußballverbandes und des Regionalverbandes der west-asiatischen Fußballverbände. Höchstwahrscheinlich gelangte er eher durch seinen sozialen Status als durch fußballerische Kompetenz zu diesen Posten, was ihn zu einem fragwürdigen Kandidaten macht. Zwar sieht sich Al-Hussein selbst als einzigen Gegner der Korruption, doch die Aussage Platinis, er wäre ein guter Präsident, macht alles nicht besser. Auch seine frühere Tätigkeit im FIFA-Exekutivkomitee macht ihn befangen. Damals wie heute hat er – auch in seinem eigenen Kontinentalverband – wenige Anhänger und Befürworter, was ihn zu einem aussichtslosen Kandidaten macht.

Tokyo Sexwale (62). Zu Beginn von Franz Beckenbauer ins Spiel gebracht, hat der Südafrikaner ganz gute Chancen auf den Posten des Präsidenten. Er gilt als unbefangen, da er bisher nur als Organisator der WM 2010 mit der FIFA zu tun hatte. In Südafrika hat er seine Kompetenz als Politiker und Geschäftsmann mehrfach unter Beweis gestellt. Gegen ihn spricht jedoch seine relativ hohe Unerfahrenheit im Fußballgeschäft sowie sein hohes Alter.

Jerome Champagne (57). Der Franzose ist der Einzige unter den Kandidaten, der sich mit einem Wahlprogramm um Stimmen bemüht. Er fordert eine demokratische und proaktive FIFA. Glaubwürdig erscheint dies jedoch nicht, da er von 1999 bis 2010 in verschiedenen Positionen der FIFA tätig war. Noch schlimmer: Er war ein enger Vertrauter von Sepp Blatter. Diese Tatsachen erhöhen seine Chancen auf eine erfolgreiche Wahl nicht wirklich.

Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa (50). Der bahrainische Funktionär ist als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees ebenfalls bereits mit der FIFA-Seuche infiziert. Hinzu kommt, dass Al Chalifa wegen Verletzungen von Menschenrechten verdächtigt wird – die FIFA-Ethikkommission ermittelt. Außerdem soll er ein Gegner von Demokratie sein. Somit disqualifiziert er sich eigentlich als möglicher Präsident.

Platini hat, wenn er denn antreten darf, sicherlich die größten Chancen, die Wahl zu gewinnen. Platini als FIFA-Präsident wäre nach den letzten Vorfällen jedoch nicht tragbar und käme einem schlechten Witz gleich. Die anderen Kandidaten sind allerdings ebenfalls keine optimale Besetzung und würden einer nötigen Reform der FIFA nur im Weg stehen. Insgesamt stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass die Kandidaten entweder zu alt, völlig unerfahren oder gar kriminell sind. Im Großen und Ganzen ist es zwar schon ein Erfolg, dass die Ära Blatter mit einem Schnitt beendet wurde. Allerdings kann dieser nur sinnvoll und erfolgreich sein, wenn etwas Frisches und Unvoreingenommenes nachkommt. Wenn die FIFA einfach weiter machen will wie bisher, dann hat sie die fünf perfekten Kandidaten gefunden. Dann wird der Weltfußball aber noch lange darunter leiden.

Moritz Berroth, Sarah Keitel, Robin Laure

Quellen:

http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/fifa-skandal-sportgericht-bestaetigt-platini-sperre/12711406.html?nlayer=News_1985586, 16.12.2015

http://www.sportschau.de/fussball/allgemein/kandidaten-fuer-fifa-praesidentschaft100.html, 16.12.2015

Bildquelle:

https://www.francebleu.fr/cruiser-production/2015/05/f75f2fea-02dd-11e5-89b9-005056a87fa3/x870x489_efespfour917035.jpg.pagespeed.ic.YaX1HEbSsX.jpg, 16.12.2015

17 Kommentare zu „Keine Besserung in Sicht

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  1. Absolut auf den Punk gebracht mit den Beurteilung der einzelnen Kandidaten. Keiner von diesen Leuten wird Korruption und Intrigen vom
    Fußball fern halten können. So werden wir die dunkle Ära Blatter nicht so schnell los.

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  2. Egal wie die Wahl ausfallen wird, ich denke jeder von den Kandidaten hat seine Schattenseiten. In diesem Geschäft fließt soviel Geld, da ist Korruption regelrecht vorprogrammiert.
    Die Frage ist nur, wann kommt einer dahinter.

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  3. Sehr gut geschrieben, ich find die Übersicht der Kandidaten klasse. Ich bin Chris seiner Meinung. Korruption hat es schon immer im Fußball gegeben und das wird sich wohl auch nie ändern.

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  4. Das ist wie bei den Politikern, jeder hat Dreck am Stecken. Allerdings sollte man manchmal die „kleinen“ Fehler, bzw. nicht legitimen Sachen übersehen und dadurch die umso größeren bei anderen härter bestrafen.

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  5. Ich hoffe durch die Wahl einer dieser Kandidaten wird sich etwas ändern! Wie die anderen jedoch bereits erwähnt haben, gehört Korruption in dieser Branche zum Tagesgeschäft. Es ist daher fraglich ob ein personeller Wandel etwas bewegen kann.

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  6. Ja Korruption wird es wohl immer geben, doch das schließt ja nicht aus, dass die WM und EM schön und spannend werden… So lange jedes Land mal zum Zuge kommt, find ich, können die gerne sich die großen Ereignisse „erkaufen“…
    Super Übersicht, sehr detailliert, jetzt kann man seinen persönlichen Favoriten „aussuchen“

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  7. Ob die Korruption jemals gänzlich verschwinden wird ist eher unwahrscheinlich. Daher glaube ich, dass es am besten ist wenn jemand den Führungsposten übernimmt, der wirklich unvoreingenommen ist und der eine neue Ära einleiten kann.

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  8. Ehrlich gesagt hat die ganze professionelle Fußballszene unter diesen vergangenen Skandalen gelitten und für mich dabei auch komplett ihr Glaubhaftigkeit eingebüßt… Ich kann das was da zur Zeit läuft auch alles nicht mehr ernst nehmen!

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  9. Auch ich bin der Meinung, dass Korruption nicht mehr wegzudenken ist. Dieser Artikeln gibt einen super Überblick der Kandidaten. Sind wir mal gespannt, wie die Entscheidung ausfällt.

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  10. Die FIFA benötigt eine grundlegende Reform, auch und vor allem, mit Personen von außerhalb des Verbandes die nicht jahrelang an der heutigen Situation beteiligt waren. Die FIFA benöitgt umfassende Reformen zum Beispiel der Abkehr von einem eingetragenen Verein hin zu einem gewinnorientierten Unternehmen, denn nichts anderes ist der Fußballweltverband. Bei der jetzigen Wahl bleibt zu hoffen, dass ein moderater Kandidat wie Champagne oder Sexwale sich durchsetzt und nicht jemand der mit Fußball bislang wenig bis nichts zu tun hatte.

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  11. Egal wer bei der Wahl gewinnt es kann fest davon ausgegangen werden dass alle Flecken auf ihrer Weste haben. Wenn die Fifa wieder in ein gutes Licht gerückt werden soll muss ein kompletter Neuanfang her.

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  12. Ich bin wirklich gespannt wie die Geschichte ausgeht. Meiner Meinung nach kann man die FIFA in der aktuellen Situation sowieso nicht ernst nehmen. Der ganze Laden sollte mal komplett ausgetauscht und grundsaniert werden. Vorher kann man meiner Meinung nach nichts bei der FIFA ernst nehmen.

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