Auch Journalisten sind vor Stadionverboten nicht sicher

In Großbritannien werden Journalisten, die dauerhaft schlechte Berichte über einen Verein verfassen ausgesperrt. Eigenwerbung und Berichte zum Wohle des Vereins werden stattdessen selber verfasst und veröffentlicht. Werden andere Länder diesem Modell folgen? Sollen Fußballfans nur das erfahren, was ihr Verein will? Oder auch das, was er nicht will?

Kritische Berichte, das Aufdecken interner Probleme, oder auch die gezielte Kritik eines Einzelnen. Jeder Profiverein im Fußball hat mit diesen Berichten und gezielten Attacken zu kämpfen. Vor allem in Großbritannien setzen sich Fußballvereine jetzt mit einer kompromisslosen Lösung zur Wehr. Clubs fangen an, Journalisten aus ihrem Stadion auszuschließen und wollen so die negative Berichterstattung stoppen.

Diese radikale Lösung führte Lee Powers, der Besitzer des englischen Drittligisten Swindon Town ein. Genervt von der ständig negativen Berichterstattung schaffte er Pressekonferenzen und Interviews mit Spielern und Trainern ab. Der vereinsinterne Pressebeauftragte übernimmt nun quasi den Job der Sportjournalisten im Verein. Er interviewt Spieler und bestimmt die Fragen. Lästige Fragen zu einer Krise oder mögliche Kritik am Verein wird dieser sicherlich nicht stellen. Die Interessen der Fans, kann diese Lösung sicherlich nicht vertreten. Denn ausgearbeitete Fragen und Interviews, die sich womöglich jede Woche wiederholen, sind sicherlich nicht das, was ein Fan in einer Krise von seinem Verein hören möchte.

Die Journalistenvereinigung National Union of Journalists (NUJ) möchte sich gegen diese Vorgehensweise zur Wehr setzen. Die NUJ-Sprecherin Frances Rafferty warnt vor einem Trend und bewertet dieses Vorgehen als Zensur. Vereine wie Newcastle United gewähren den Journalisten nur noch Zutritt gegen Gelder oder positive Berichterstattung. Durch dieses Modell ist eine unabhängige Berichterstattung nicht mehr möglich und Vereine brauchen sich nicht vor Kritik fürchten.

Journalisten und Sport haben eine besondere Beziehung. Anders als in anderen Branchen, wie beispielsweise in der Politik oder der Wirtschaft, braucht der Sport die Medien. Journalisten im Sport betreiben neben der Berichterstattung gleichzeitig PR. Sei es für die Sportart an sich, einen Verein oder einen einzelnen Sportler. Durch die Medien werden Vereine, Sportler, etc. bekannt und ein Image wird geformt. Alles in allem heißt das: Ohne den Report gibt es keinen Sport.

Die Zeiten, in denen ein Verein auf die Berichterstattung der Presse angewiesen ist, sind nun aber vorbei. Früher waren Vereine froh, wenn in der Zeitung über sie geschrieben wurde. Zunächst egal, ob positiv oder negativ. Nur durch die Medien stand der Club damals im Fokus. Vereine wie der FC Bayern München, Borussia Dortmund und der Hamburger SV veröffentlichen durch Vereins-TV ihre eigenen Berichte und können so das Image des Vereins steuern. Für einen Club wie den HSV, der in den letzten Jahren immer gegen den Abstieg spielte und von einer Krise in die Nächste rutschte, sicherlich ein hilfreiches Medium. Selbst in schweren Zeiten kann das vereinsinterne Klima in der Öffentlichkeit als stimmig und intakt präsentiert werden. Die Frage allerdings ist, ob dieses Modell der Geheimhaltung sich auf Dauer nicht selbst schadet. Denn in einem Verein, in dem es sportlich nicht läuft werden Fans ungeduldig und wollen nicht mit anschauen, wie der Verein den Bach runter geht. Fragen und Forderungen von Seiten des Publikums werden gestellt. Durch das ständige „Schönreden“ der Situation bringt man die eigenen Fans gegen sich auf. Fußballfans wollen nicht Woche für Woche mit Durchhalteparolen in den Medien abgespeist werden. Sie wollen klare Ansagen und Taten der Vereinsführung sehen und spüren, dass sich auch der Verein gegen die Krise wehrt.

Die Meinungen über Journalisten und ihre Arbeitsweisen gehen auseinander, doch ob der Ausschluss derer, der richtige Weg ist, mag ich zu bezweifeln. Wie schon gesagt, Journalisten betreiben gleichzeitig PR und sind damit sehr wichtig für den Sport. Aktionen wie der Vereine Swindon Town und Newcastle United schützen den Verein nicht vor negativer Berichterstattung, im Gegenteil. Journalisten werden durch den Ausschluss des Stadions angespornt. Der Verein macht sich beim Journalisten nicht beliebt und stoppt seine negative Berichterstattung nicht. Denn warum soll ein Ausschluss die Kritik stoppen? Ein hartnäckiger Journalist findet Wege und Möglichkeiten an Informationen des Vereins zu kommen. Vereine sollten sich hin und wieder Kritik gefallen lassen. Sich selbst und den Fans Illusionen zu machen hilft in diesem Geschäft sicherlich keinem weiter.

Autoren: Dennis Klemm, Kai Wanner, Christopher Schmidt

Quellen:

markus-hoerwick-interview-514.jpg, 01.01.16

http://www.zeit.de/sport/2015-08/sportjournalismus-fussball-grossbritannien-club-tv, 01.01.16

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/peter-harth/ausgewechselt-fussballclubs-setzen-journalisten-vor-die-tuer.html, 01.01.16

http://www.mz-web.de/fussball/nach-kritischer-berichterstattung-dynamo-dresden-straft-journalisten-ab,20642322,30092604.html, 02.01.16

16 Kommentare zu „Auch Journalisten sind vor Stadionverboten nicht sicher

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  1. Ich verstehe nicht, warum manche Menschen nicht nach denken können. Ich geb euch voll kommen recht, für die Vereine wird es jetzt nicht bessere Berichtserstattung geben sondern nur noch mehr Kritik. Warum nehmen sie sich kein Beispiel an Deutschen Vereinen? Man muss das Rad ja nicht neu erfinden, sondern kann von Vorgängern, gute Krisenkommunikation lernen.

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  2. Journalisten auszuschließen geht gar nicht. Es braucht eine kritische Betrachtung von außerhalb des Vereins. Missstände werden angesprochen. Kritik kann auch immer zu Verbesserung genutzt werden. Fällt diese externe Berichterstattung weg, existiert nur noch eine einseitige, vom Verein bestimmte Berichterstattung die immer Friede, Freude, Eierkuchen verkaufen will.

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  3. Die Journalisten sind das Bindeglied zwischen dem Geschehen und allen Aussenstehenden. Fehlt diese Verbindung, funktioniert keine Kommunikation die vertrauenswürdig ist.

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  4. Das ist ja wirklich lächerlich und wird die kritische Haltung der Journalisten nur noch verschärfen. Ich kann mir aber auch nur schwer vorstellen dass das zum neuen Trend wird.

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  5. Ich persönlich vertraue der Berichtserstattung die der Pressefreiheit unterliegt. Ich glaub nicht dass die PR eines Vereins Negatives anspricht und Kritik an sich selber ausübt. Fällt die freie Berichtserstattung weg, verlier ich das Vertrauen.

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  6. Also ich finde diese Idee ja ziemlich lächerlich und im Zuge der Pressefreiheit auch sehr kritisch. Ein Verein muss mit positiver als auch negativer Kritik umgehen können… Die Berichterstattung wäre viel zu einseitig, wenn die Presse aus den Stadien verbannt werden sollte… Ich glaube auch nicht, dass die Journalisten plötzlich bessere Kritik über die Vereine schreiben, die den Journalisten den Zugang verweigern… Ich frage mich, was die sich dabei gedacht haben^^

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  7. Was soll denn sowas? Man will als Fan ja wohl die Wahrheit wissen und nicht nur die guten Seiten. Wie langweilig wäre denn dann Sport in den Medien 😀

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  8. Die Presse auszuschließen finde ich nicht akzeptabel und auch nicht sinnvoll. Die Fans interessieren sich doch auch für Kritik und nicht nur für schöngeredete Tatsachen. Außerdem glaube ich nicht, dass die Presse durch einen Ausschluss weniger kritisch berichtet. Die Spiele kann man schließlich auch im TV anschauen und irgendwie kommt man auch an Hintergrundinformationen, ich denke dass die mediale Kritik durch einen Ausschluss eher zunimmt.
    Natürlich können die Vereine durch selbst produzierte Formate, wie das oben erwähnte Vereins TV, das ganze ergänzen und die Bindung zu ihren Fans stärken, jedoch können diese Formate keinesfalls die Arbeit außenstehenden Medien ersetzen.

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  9. Die Journalisten auszuschließen, zeugt doch nur von Angst. Die Personen die das versuchen sehen nur ihre eigene Position in Gefahr und haben Angst, dass über ihre Fehler negativ berichtet wird. Sie stellen die eigene Interessen über die des Gesamtvereins.

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  10. Davon höre ich tatsächlich zum ersten Mal, hätte nicht gedacht, dass es in Europa so etwas gibt. Vor allem macht es auch nicht wirklich Sinn: Kritik kann ja auch gut sein und helfen. Kritische Berichterstattung kann Fehler aufzeigen, die den Vereinsverantwortlichen vielleicht gar nicht aufgefallen sind. So können Probleme des Vereins sogar gelöst werden…
    Hoffentlich setzen sich diese Stadionverbote nicht durch, schließlich hat jeder das Recht, über die Presse alles zu erfahren.

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  11. Meiner Meinung nach sollte man Journalisten nicht ausschließen dürfen, außer vielleicht wenn Sie bestimmte Kapitalverbrechen im Stadion begangen haben. Aber wegen Kleinigkeiten sollte kein Journalist die Möglichkeit verlieren, seinen Job auszuüben. Auch benötigt es eine bestimmte kritische Sicht von außen, um dem Zuschauer mehrere Möglichkeiten zum Einholen von Informationen zu geben !

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  12. Vereine brauchen die Öffentlichkeit !
    Das übernehmen Sie jetzt selbst – kann sein dass sie womöglich damit durch kommen . Ich persönlich halte davon überhaupt nichts . Diesen Kultur der Verlogenheit hat im Sport nichts zu suchen

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  13. Also ich mag keine Journalisten. Die sind immer so unfreundlich und denken dass sie die tollsten wären. Man sollte nur ausgewählte coole Journalisten in das Stadion lassen. Am besten sollte es so einen Art Journalistenprüfung geben, in welcher Sie auf Coolness und Superdupertollheit geprüft werden.
    Dann fände ich das voll in Ordnung.

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  14. Ich finde es sollte kein Stadionverbot für Journalisten geben. Kritik gehört im Sport dazu und ist vorallem auch im Interesse der Fans. In manchen Fällen kann Kritik ja auch positiv sein und möglicherweise sogar hilfreich für den Verein.

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  15. Ich bin ebenfalls der Meinung dass ein Stadionverbot unsinnig ist. Negativberichte helfen dem Sport und dem Verein sich weiter zu entwickeln. Aufgesetzte positive Berichterstattungen helfen dem Verein nicht weiter. Ebenfallst kann dies als eingriff in die Meinungsfreiheit gesehen werden.

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  16. Ich hoffe für jeden Verein, der solche Verbote für Journalisten ausspricht, dass alle ausgeschlossenen Reporter noch mehr negative Fakten aufdecken. Vereine die sich das erlauben haben meiner Meinung nach die Pressefreiheit und Meinungsfreiheit nicht verstanden. Alles andere wäre Zensur von Fakten. Das würde dem Sport nur Schaden.

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