Schöne Frauen und schnelle Autos – Grid Girls und die Sexualisierung des Sports

Grid Girls stehen seit einiger Zeit in der Diskussion um ihre Daseinsberechtigung. Eine positive Ausstrahlung und leichte Bekleidung im Austausch für gutes Geld. Ist das in Ordnung solange es freiwillig passiert oder kann man bei den Grid Girls von einem sexistischen Beruf sprechen, der Frauen zu Objekten macht?

 Grid Girls sind Teil jedes größeren Formel 1 Event. Es sind Frauen, die leicht bekleidet und mit einem Lächeln auf dem Lippen, Schirme oder Schilder tragen. Sie sollen das kleine bisschen Glamour in einer Sportwelt versprühen, die von Männern dominiert wird.

Es geht in der Thematik um die Grid Girls vor allem auch um eine Debatte um Sexismus im Sport. Eine Definierung von Sexismus aus der Psychologie spricht hierbei von einer „[…] Grundeinstellung zur Diskriminierung und Benachteiligung anderer Personen aufgrund des Geschlechts (Geschlechterforschung, Stereotype).“

Ist nach dieser Definition der Beruf des Grid Girls sexistisch und wie spielt die Freiwilligkeit der Ausübung darin eine Rolle?

Der Wissenschaftler Jörg-Uwe Nieland sieht eine Verstärkung der Sexualisierung im Sport.

Immer noch sei Sport von Männern dominiert, die in den Vereinen und Verbänden, in der Sportpolitik und im Sportjournalismus säßen. Sie regulieren und entscheiden, wie sich die Sportevents gestalten. Und das mit Erfolg, denn in den Medien ist der Sport selbst dann ein Thema, wenn keine größere Veranstaltung bevorsteht. Fußballspiele, Formel 1 Rennen und Boxwettkämpfe werden folglich das ganze Jahr über gezeigt. Es sind Männer, die vornehmlich im Fernsehen zu sehen sind und eine aktive, ausübende Rolle im Sport einnehmen. Die breitenwirksame Übertragung eines Frauenfußballspiels ist dagegen eher eine Seltenheit. In einem Artikel der BBC von 2012 wird sich außerdem gefragt „Wo sind die weiblichen Formel 1 Rennfahrerin?“. Seit nun schon über 60 Jahren Formel 1 haben es bisher nur 5 Frauen in ein Grand Prix Rennen geschafft. Im Vergleich dazu, waren in derselben Zeitspanne 822 Männern dabei. Doch auch die Entwicklung des Frauensports im Allgemeinen war steinig, denn pseudo-biologische Begründungen wurden als Vorwand genutzt Frauen aus Sportarten auszuschließen. Beispielsweise wurde in der Zeitung Die Zeit in einem Artikel aus 2009 diskutiert, ob der Skisprung eine olympische Disziplin werden sollte. Folgende Aussagen wurden zitiert: „Helmut Weinbuch, Trainer im deutschen Skiverband, hielt die weibliche Wirbelsäule für zu schwach, um die Landung zu überstehen. Gian-Franco Kasper, der Generalsekretär des internationalen Skiverbands, macht sich sorgen um die Gebärmutter, die unter der Wucht des Aufpralls leiden könnte.“. (Zitat nach Uwe Nieland) Selbst im 21. Jahrhundert meinen also alte weiße Männer immer noch über den Körper von Frauen bestimmen zu müssen.

Um allerdings eine sportliche Großveranstaltung zu promoten sind Frauen mehr als gefragt. Sie sollen das Flair eines Mega-Events bestimmen und damit ein positives Image auf die Veranstalter abwerfen. Als leicht bekleidete Models nehmen diese Frauen eine passive und ornamentale Rolle ein. Ihre Erscheinungsbild ist eindeutig sexualisiert. Allerdings empfinden die Grid Girls die Ausübung ihres Berufs als unproblematisch und finanziell sehr lukrativ. Die Finanzierung des eigenen Studiums kann so beispielsweise gewährleistet werden. Die Logistik Studentin und Teilzeit – Grid Girl Steffi (Name geändert) begründet ihre bald auslaufende Arbeit folgendermaßen: „Weil es mir Spaß gemacht hat, diese Rolle zu spielen. In der Rolle hat mich der eine oder andere Spruch von den Zuschauern nicht getroffen.“. Anders empfindet sie dies jedoch für ihren eigenen Alltag: „Das ist für mich Sexismus. Im Rahmen der Sportveranstaltung als Nummerngirl ist es das für mich aber nicht.“ Die Kontextualisierung des Sport-Events kann somit den Sexismus für sie aufheben, weil sie mit ihrer Arbeit dort eine „Rolle“ spielt. Auch die Geschäftsführer/innen von Hostess Agenturen sehen in ihrem Berufszweig keinerlei Sexismus, denn alles basiere ja auf einer Freiwilligkeit. Der Beruf sei nicht aufwendig und würde Männern eine Freude machen und daher ein Gewinn für alle sein. So heißt es auf der Homepage der Münchener Agentur Oteam, welche Hostessen vermittelt: „Schöne Gesichter, vollendete Konturen und ein bezauberndes Lächeln auf den Lippen – unsere atemberaubenden Models vermitteln Ihren potentiellen Kunden das den Umsatz fördernde Gefühl: ’Wer kann hier schon nein sagen?’“. Der angebotene Beruf würde durch seine freiwillige Ausübung nicht sexistisch sein, denn ihre Hostessen würden sich ja nicht prostituieren.

Als Gegenentwurf zur Kritik um die Grid Girls war das Einsetzen von Grid Boys bei dem Formel 1 Rennen um den Großen Preis in Monaco. Die vermeintliche Tradition des Schilder und Regenschirm halten blieb erhalten und wurde mit einer Gleichstellung des Berufs reglementiert. Auch hier wurden normativ schöne Körper eingesetzt um das Event zu bewerben, leicht bekleidet waren sie wiederum nicht. Sie trugen stattdessen eine lange Hose und weiße Polo-Shirts, welche im Vergleich zu den kurzen Röcken oder Hotpants, den teils tiefen Ausschnitten und hochhackigen Schuhen der weiblichen Gegenparts deutlich weniger sexualisiert wirkten. Der Fahrer Sebastian Vettel, welcher an dieser Formel 1 teilnahm, reagierte in einem Interview der tageszeitung München (Krz: tz) auf die Maßnahme um die Grid Boys empfindlich: „[..] Es gibt Traditionen, die sollte man einfach lassen. Ich schaue mir persönlich lieber eine schöne Frau vor meinem Auto an als einen Mann. Und ich finde das auch nicht sexistisch. Denn die Grid Girls machen ihren Job ja freiwillig, es zwingt sie niemand dazu.“ Die Freiwilligkeit der Grid Girls berechtigt demnach abermals den Beruf an sich. Eine komplette Abschaffung der Grid Girls ist für die ausübenden Models eine schrecklichere Vorstellung: „We are against people trying to take this job away from us. In my case, I need the money, because my tuition fees are almost €1,000.“. (Medizinstudentin und Teilzeit – Grid Girl, Claudia Fernández)

Den Beruf des Grid Girls an sich und vor allem Frauen selbst zu kritisieren, scheint hier tatsächlich nicht angebracht. Sie üben den Job aus, um Geld zu verdienen und sind sich ihrer Rolle als sexuelles Objekt bewusst. Sie sehen gut aus und sie machen sich grade das zum (finanziellen) Nutzen. Was hinterfragt werden muss, ist die Struktur der großen Event-Sports an sich, der Formel 1 und der Boxwettkämpfe, bei denen immer noch Frauen als schmückendes Beiwerk zu sehen sind. Mehr Frauensportarten medial sichtbar zu machen und zu fördern, eine Vorbildfunktion für die kommende Generationen zu sein, sollte stattdessen die neue Zielsetzung werden. Auch wenn es jedem selbst überlassen sei, sich sexy zu kleiden, oder mit seinem Aussehen Geld zu verdienen, sollte dies in einem angemessenen Verhältnis zu den aktiven und Sport ausübenden Frauen stehen, so wie es bei den Männern schon lange der Fall ist.

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Ein Kommentar zu „Schöne Frauen und schnelle Autos – Grid Girls und die Sexualisierung des Sports

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  1. Grid Girls in der Formel 1, Frauen, die beim Boxen die Runden anzeigen, die Mädels in Gelb, die bei der Tour de France dem Etappensieger ein Küsschen auf die Wange hauchen. Attraktive Hostessen beim Fußball, die den Gästen in der VIP-Loge gerne einen Wunsch erfüllen. Ich kenne ein paar dieser Damen, und keine fühlt sich ausgenutzt, erniedrigt oder was auch immer. Und solange alles auf freiwilliger Basis geschieht, ist das für alle Seiten auch in Ordnung. Es ist nicht alles Sexismus, was als solcher gerne mal angeprangert wird. Ich kann Sebastian Vettel da schon verstehen.

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