Die Gender Pay Gap – auch im Profisport ein Thema?

Am 21.07.2017 spielt unsere Frauennationalmannschaft gegen Italien  und überzeugt uns hoffentlich wieder einmal mit Bestleistung. Doch wir fragen uns: Was verdient eine Profispielerin überhaupt?

Physiotherapeutin, Berufssoldatin, Kauffrau für Marketing-Kommunikation, Stadtinspektorin, Bankkauffrau, Sportfachwirtin, Versicherungsvermittlerin – dies sind nur einige der Berufe der deutschen Fußball-Nationalspielerinnen. Wieso Berufe fragen Sie sich? Sollte eine Profifußballerin nicht genug Geld verdienen, um davon zu leben?

Diese Frage muss in den meisten Fällen leider mit Nein beantwortet werden. Die Mehrheit der Bundesligaspielerinnen hat neben dem Profisport noch ein zweites Standbein, und das brauchen die Frauen auch, wenn sie ihre Zukunft absichern wollen. Größere Geldrücklagen für die Zeit nach der Sportlerkarriere – das können sich nur die wenigsten Profisportlerinnen leisten. Im Schnitt verdienen die Profikickerinnen rund 2000 Euro im Monat. Die Männer können darüber nur lächeln – das durchschnittliche Jahresgehalt der Bundesligaspieler des FC Bayern München liegt 2017 bei unfassbaren 5,28 Millionen Euro.

Während die Männer nach einem harten Training die Beine hochlegen können, geht die Mehrheit der Bundesligaspielerinnen – acht Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – arbeiten. Und nach der Arbeit geht es zum Training. Profifußballerinnen gehören nicht zu den obersten Zehntausend unserer Gesellschaft. Eingekauft wird vor der Arbeit bei Lidl.

 

Beruf: Sportsoldatin

Viele der Bundesligaspielerinnen entscheiden sich aus diesem Grund für den Beruf Sportsoldatin bei der deutschen Bundeswehr, damit sie ihr „Hobby“ Fußball professionell ausführen können. Auch Lira Bajramaj, einer der Spitzenverdienerinnen im Frauenfußball, und eine von sechs Spielerinnen aus der Nationalmannschaft entschied sich für diesen Weg. Die Bundeswehr ermöglicht es den Spielerinnen, sich voll und ganz auf den Fußball zu konzentrieren. Im Gegensatz dazu sind die Frauen das Aushängeschild der Bundeswehr: bei Turnieren tragen sie das Abzeichen der Bundeswehr, sie geben Autogramme auf Bundeswehrveranstaltungen und marschieren ab und an, hier und da. Durch die Förderung der Bundeswehr können die Frauen nach einem anstrengenden Trainingstag einfach mal entspannen und müssen nicht den nächsten Tag wieder bei ihrem 9 to 5 Job auf der Matte stehen.

 

„Auch andere Dinge sind wichtig…“

Doch für viele Profispielerinnen ist nur Fußballspielen nicht herausfordernd genug. Sie wollen einen seriösen Beruf erlernen und sich absichern. Trainerin der Nationalmannschaft Silvia Neid denkt, dass den Frauen auch andere Dinge neben dem Fußball wichtig sind. Kim Kulig, die damals nebenher studierte, kann das nur bestätigen, „Ich habe jetzt ein Jahr lang nur Fußball gespielt, auf Dauer ist das schon ein bisschen wenig“. Da könnten sich wohl einige männliche Fußballprofis eine Scheibe von abschneiden…

 

Auch in Amerika herrscht Ungerechtigkeit

Nicht nur in Deutschland, auch in Amerika ist das im Vergleich unfaire Gehalt der Frauen ein Thema. 2016 beschwerten sich Spielerinnen des amerikanischen Nationalteams beim US-Fußballverband. Ihr Vorwurf: Trotz viel größerem Erfolg als ihre männlichen Kollegen, werden sie bis zu viermal schlechter bezahlt! Dabei fährt die US-Frauenmannschaft wesentlich höhere Beiträge ein: 17,6 Millionen Dollar im Jahr 2016 – die Männer kamen nur auf 9 Millionen Dollar. Zu Recht fühlen sich die amerikanischen Spielerinnen diskriminiert.

Auch der FIFA entlohnt die WM-Siegerinnen viel geringer: im Jahr 2015 waren es 1,75 Millionen Euro für die gesamte Mannschaft– bei den Männern hingegen unglaubliche 31 Millionen Euro.

 

Prof. Dr. Frank Daumann nennt die Gründe

Doch wie kann dieser krasse Gehaltsunterschied gerechtfertigt werden? Professor Dr. Frank Daumann vom Fachbereich Sportmanagement der Universität Jena gibt eine einfache Erklärung: Eine sukzessive Steigerung der Nachfrage auf den Absatzmärkten (z.B. Sponsoring, Ticketing, TV-Übertragungsrechte) im Männer Fußball bedingt das hohe Gehalt der männlichen Fußballprofis. Der gleiche Trend ist jedoch auch, im Frauenfußball zu beobachten, ist aber natürlich gemessen an der Nachfrage des Männerprofifußballs signifikant geringer. Folglich bringt eine Profispielerin dem Verein weniger Ertrag und wird geringfügiger entlohnt.

 

Was sagen die Fußball-Fans?

„Frauenfußball hat es wirklich schwer, ganz ehrlich, hätte ich gestern nicht TV-Total geschaut, wüsste ich gar nicht, dass letzten Freitag das DFB-Pokalfinale der Frauen war.“

„Bei uns im Verein kommt sogar die vierte Herrenmannschaft auf mehr Zuschauer als die einzige Damenmannschaft.“

Auch an den Kommentaren der Fußball-Fans ist das Problem, deutlich zu erkennen. Frauenfußball wird zu wenig wahrgenommen und dementsprechend auch weniger unterstützt.

 

Was können wir dagegen tun?

Aber ob so ein riesiger Gehaltsunterschied noch angemessen ist – wahrscheinlich nicht. Heißt es nicht „gleiches Geld für gleiche Arbeit“? Schön wärs… Die Gender Pay Gap macht auch vorm Profisport keinen Halt. Daumann gibt den Tipp: Guckt die Spiele der Frauen- Nationalmannschaft und bleibt ihnen auch nach der WM treu. Nur so kann die Nachfrage und schlussendlich auch das Gehalt der Frauen erhöht werden.

 

Na? Wann haben denn nun unsere Frauen das nächste Spiel? Eine Übersicht aller Spiele gibt es hier.

 

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