Letzte Hürde „Fankultur“: Kommerz im Profifußball

In zwei Tagen ist es soweit und der Ball rollt wieder. Die Bundesliga ist zurück – und damit auch die Probleme. Viele sind schon auf den Zug der Kommerzialisierung aufgesprungen, doch wer noch fehlt sind die Traditionsfans. Sie wollen, dass alles ist wie früher. Aber ist das so einfach und was bedeutet das für Vereine und Medien?

Eine Zukunftsprognose von Lena Ott

 

Geld im Profifußball – ein Teufelskreis

Aus Sicht der Vereine erscheint die Kommerzialisierung erst einmal als Bereicherung: In den letzten zwölf Jahren sind die Umsätze der Bundesliga um 130% gestiegen. Ein Problem für Vereine, die nicht ganz vorne mitspielen, sind jedoch die fehlenden Aufstiegschancen. Die hohen Champions-League-Gelder bekommen immer die gleichen Vereine: ein Teufelskreis. Nach Dirk Rasch ist ein fairer Wettbewerb im Profifußball momentan nicht mehr möglich und durch die wachsenden Gewinnmargen wird die Problematik totgeschwiegen.

 

Noch gibt es Regulierung

Ein Verein wie der RB Leipzig passt dabei genau in dieses Konzept. Gegründet wird er durch die Initiative der Marke Red Bull. Seit der Saison 2016/17 spielen sie in der ersten Bundesliga. Noch versucht sich der Profifußballsport gegen die enorme Abhängigkeit von Marke und Fußballverein zu wehren. Deshalb steht nun auch in Frage, ob der Rasenballsportverein Leipzig (so soll er eigentlich heißen – die gleichen Initialen wie Red Bull) überhaupt an der Champions League teilnehmen darf.

 

Abhängigkeit durch Sponsoring

Es stellt sich die Frage, inwieweit ein Verein, wie der RB Leipzig, bei so viel Geldfluss von Externen noch selbstständig ist. Kann dieser noch als gemeinnütziger Verein bezeichnet werden? Ein Schutz soll die 50+1-Regel bieten: sie soll die Übernahme der Investoren von Vereinen verhindern. Dazu müssen die Vereine die Mehrheit der Kapitalgesellschaft haben – also 50 % des Stimmrechts zuzüglich einer Stimme. Die Finanzierung bleibt neben diesen Stimmrechten allerdings unberührt. So wie auch beim RB Leipzig. Somit ist der Geschäftsführer Olivier Mintzlaff dem Red-Bull Fußballchef verpflichtet. Bayer Leverkusen und Wolfsburg sind bereits im Besitz von Privatgesellschaften durch eine Ausnahmeregelung. Nämlich wenn der Club 20 Jahre zuvor von dieser Gesellschaft gefördert wurde. Eine gefährliche Entwicklung, die sich weiter zuspitzen wird.

 

Wer ist hier eigentlich Berichterstatter?

Auch aus der Sicht der Medien wirkt die Kommerzialisierung im Profifußball erst einmal als wirtschaftlich gute Entwicklung. Die Medien gelten als Multiplikatoren und Finanzier des Profifußballs. Werbung am Rand des Spielfelds wird erst durch die Medien sichtbar. Vereine nutzen die Plattform der Pressekonferenzen oder der Interviews als Bühne für ihr Image Management. Nicht ganz: Die gegenseitige Abhängigkeit von Vereinen und Medien hat sich verändert. Seitdem die Vereine Social Media für sich entdeckt haben, sind sie nicht mehr so sehr von den Journalisten abhängig, wie noch vor ein paar Jahren. Sie entwickeln eigene Nachrichtenformate, z.B. FC Bayern.tv, twittern oder geben Apps in Auftrag. Natürlich gestalten sie dies aus ihrer Sicht der Dinge. Ereignisse werden somit nicht neutral erzählt, sondern unterliegen Hintergedanken des Vereins.

 

Emotionen statt Informationen

Es ist bereits Normalität: Vor und nach der eigentlichen Spielzeit wird lang und breit

mit sich wiederholenden Infos und einer unüberschaubaren Masse an Experten und Meinungen eine Berichterstattung mit Content gefüllt. Das eigentliche Spiel tritt dabei zeitlich gesehen in den Hintergrund. Ebenso werden Sportevents, wie z.B. Eröffnungsfeiern von DFB- oder Champions League-Spielen ausgestrahlt, welche den Großveranstaltungscharakter unterstützen. Dabei werden die Emotionen wichtiger als die Informationen. Das kann auch an den immer hitziger werdenden Interviews beobachtet werden. Geht es da wirklich darum eine bestimmte Informationen aus dem Trainer heraus zu kitzeln, wenn drei Mal hintereinander eine fast identische Frage gestellt wird oder eher darum dem Oberhaupt der Mannschaft einen Wutausbruch zu entlocken? Und das vor der Kamera! Emotionen lassen sich eben besser verkaufen.

 

Tradition trifft Neugründung

Das Konfliktpotenzial des RB Leipzig ist vor allem aus Sicht der Fans ein großes Thema. Geht es bei Traditionsvereinen wie Werder Bremen oder St. Pauli um Identität, Zugehörigkeit und Dabei sein, egal wie die Ergebnisse eines Spiels ausfallen, betitelt man einen neugegründeten Verein oder Clubs mit viel Geldern und somit vielen Weltklassespielern als „Kunstprodukt“ oder „eher als ein Projekt als ein Verein“.

 

Identität

Werden dann Eröffnungsfeiern der DFB- oder Champions League-Spiele mit Feuerwerk, Gesängen oder Reden initiiert, passt das den alteingesessenen Fans so gar nicht. Choreographien vor dem Spiel gelten schon lang als Visitenkarte eines Fanclubs. Dies bringt Interessenkonflikte mit sich. So werden Pläne der Fans von z.B. Vorgaben der UEFA eingeschränkt. Dies brachte bereits schon die ein oder andere Absage einer Fan-Choreo mit sich, wie es am Beispiel von Borussia Dortmund Fans zu sehen war. Ein Konfliktpotenzial mal nicht auf der Ebene des Geldes, aber der Identität. Diese Einstellung ist auch an der aktuellen Studie von „FC PlayFair! – Verein für Integrität im Profifußball e.V.“ zu sehen. Von 17.000 Befragten, gab die Hälfte an, dass sie sich vom Profifußball abwenden wird, wenn sich in Sachen Kommerzialisierung nichts ändert. Weiterhin sagen 87%, dass es nach ihrem Gefühl nur noch um Geld gehe und 86 % fordern klare finanzielle Richtlinien. Weiter stimmen 55% der teilgenommenen Fans zu, dass in der aktuellen Bundesliga Langeweile herrscht. Weitere Ergebnisse der Studie sind hier nachzulesen.

 

Ticketpreise

Aufbauend auf diese Ergebnisse stellt sich bei steigenden Ticketpreisen die Frage: „Werden aus Fans Kunden?“. Ein Fußballspiel ist immer noch ein Unterhaltungsangebot und braucht ein Publikum. Mag man eigentlich denken. Die Realität sieht allerdings so aus, dass die Einnahme von Tickets nur noch 20% der Gesamteinnahmen ausmachen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Fußballspieler in Zukunft auf leere Tribünen schauen werden. Jedoch steigt die Nachfrage den Stadionbesuch auch Zuhause zu erleben. Solange sich das Angebot der Medien rentiert, wird die Kommerzialisierung auch weiter voran schreiten und Sport wird als inszenierte Unterhaltung aufbereitet werden.

 

Ein Appell…

Eines steht fest: Alle Akteure bedingen sich im kommerziellen Profifußball gegenseitig. Angebot und Nachfrage herrschen hier, wie in der freien Wirtschaft. Durch das Interesse geleitet passt sich jeder Akteur der Entwicklung an. Denn es geht ja schließlich um das Geld. Was passiert aber wenn die Fans sich anpassen? Sie sind die einzigen die sich noch nicht vollends der Kommerzialisierung hingegeben haben und sich Spannung, Fairness und Tradition zurück wünschen. Wenn die Nutzung von Angeboten wie Merchandising-Produkte und Medienformaten zurück geschraubt wird „kann“ diese Entwicklung aufgehalten werden. Worst Case: Die traditionellen Fans wenden sich ab und die Zuschauer, die übrig bleiben, werden eins mit dem Kommerz – Spannung in der Bundesligatabelle? Fehlanzeige!

 

 

Zum Weiterlesen:

 

Friedrichsen, M./ Möllenbeck, S. (2002): Kommerzialisierung des Sports. Zur Medienfinanzierung des Profifußballs. Stuttgarter Beiträge zur Medienwirtschaft Nr. 5. Unter: https://www.hdm-stuttgart.de/~glaeser/files/beitr%E4ge/Stuttgarter%20Beitr%E4ge%20Nr_5.pdf [aufgerufen am 26.05.2017].

 

FC PlayFair! Verein für Integrität im Profifußball e.V. (2017): Situationsanalyse Profifußball 2017. Aktuelle Probleme, Herausforderungen und Lösungsansätze im (deutschen) Profifußball 2017. Unter: http://mediadb.kicker.de/download/fcplayfair/FCPlayFair_Studie.pdf [aufgerufen am 11.05.2017].

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