Manipulation und Betrug im Profi-Sport – Wetten, dass…?

Ob Robert Hoyzer als Schiedsrichter im deutschen Fußball, die Karabatic-Brüder als Athleten im französischen Handball oder Tennisprofis aus den Top 50 der Weltrangliste – Wettbewerbsmanipulation und Wettskandale sind im Profi-Sport keine Seltenheit… Aber wer manipuliert warum – und wer sind letztendlich die tatsächlichen Opfer?

Fairplay? – Fehlanzeige!

Neben dem Doping zählen Wettbewerbsmanipulation und systematisches Wetten wohl zu den gängigsten und sicherlich lukrativsten Praktiken, Ergebnisse im Sport zu beeinflussen. Weltweit werden schätzungsweise rund 700 Milliarden Euro in Sportwetten investiert. Besonders im Profi-Fußball ist die Thematik der Manipulation schon viele Jahre hinlänglich bekannt. Selbst in Nicht-Fußballer-Kreisen dürften der Schiedsrichter Robert Hoyzer und seine auffälligen Fehlentscheidungen, die maßgeblich für das Auffliegen eines Wettskandals in Verbindung mit dem DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV im Jahr 2004 waren, ein Begriff sein. Eine Studie der Universität Bielefeld, University of Pennsylvania, West Virginia University aus dem Januar 2017 weist nun erneut auf auffällige Wetten auf Bundesligaspiele über einen Zeitraum von fünf Jahren in Verbindung mit vier bestimmten Schiedsrichtern hin – Beweise für einen Betrug gibt es bisher aber nicht.

Auch in anderen, meist ähnlich populären Disziplinen hat es aber in der jüngeren Geschichte des Sports zahlreiche Wettskandale gegeben. So sollen in den vergangenen Jahren beispielsweise insgesamt 16 Tennisprofis in Spielmanipulationen verwickelt gewesen sein, für die ihnen jeweils Summen um 50.000 Dollar geboten worden seien. Das wohl prominenteste Beispiel aus dem Handball stellen die französischen Profis Nikola und Luka Karabatic dar. Auch wenn die Brüder es bis heute abstreiten, wurden sie beschuldigt, 2012 das Spiel ihres damaligen Vereins, des feststehenden Meisters Montpellier HB, gegen den abstiegsgefährdeten Club Cesson-Rennes (28:31) gemeinsam mit weiteren Spielern manipuliert und dadurch hohe Wettgewinne für Verwandte und Bekannte ermöglicht zu haben.

Motive – Wer manipuliert weshalb?

Maßgeblich beteiligt sind an Wettskandalen im Sport häufig Schiedsrichter, Athleten, Trainer, oder Funktionäre auf Seiten der „Aktiven“. Auf der passiven, jedoch nicht weniger einflussreichen Seite stehen einzelne sogenannte Wettpaten oder ganze Wettsyndikate, die Wettbewerbe meist durch Bestechung von außen gewinnbringend beeinflussen. Was aber verleitet unterschiedlichste Beteiligte dazu, Spiele und Wettkämpfe zu manipulieren oder sich auf Wetten einzulassen?

Grundsätzlich kann in Fällen der Spiel- und Wettbewerbsmanipulation zwischen zwei Arten von Motiven unterschieden werden. Dies gelingt den Autoren des Forschungsprojektes zu Wettbewerbsverzerrungen im Sport differenziert und verständlich. Demnach kann einerseits das Ziel des Sieges im Wettbewerb im Vordergrund stehen, sodass es sich um ein „sportendogenes“, ideelles Motiv handelt. Besonders trifft diese Form der Motivation wohl häufig auf aktive Athleten zu, die beispielsweise einen Abstieg in eine niedrigere Liga oder eine andere Niederlage vermeiden wollen. In einigen Fällen kann ein solches Motiv jedoch auch von außen durch beispielsweise Wettpaten ausgenutzt werden, sodass diese Athleten oder Schiedsrichter zu Manipulationen hinreißen oder gar erpressen.

Dementsprechend können Beteiligte auch von einem „sportexogenen“, finanziellen Motiv geleitet sein, sodass diese vorrangig das Ziel verfolgen, aus Sportwetten monetäre Gewinne zu erzielen. Derartige Motive schließen insbesondere Externe wie beispielsweise international organisierte Wettbetrüger bzw. die „Wettmafia“ ein, die selten sportbegeistert, sondern meist einzig am Gewinn interessiert sind. Auch aktive Athleten oder Schiedsrichter können jedoch im Rahmen dieser Motivation handeln. Dies mag wie in Hoyzers Fall aus reiner Geldgier geschehen – abhängig von der jeweiligen Sportart scheinen einige Athleten aber auch finanzielle Not zu verspüren und „keinen anderen Ausweg“ zu wissen.

Folglich können die beiden Motive auch als Mischformen miteinander kombiniert auftreten. Impulsgebend sind hierbei also meistens die mafiösen Strukturen der Wettpaten, die den Ausgang sportlicher Wettkämpfe gewinnbringend für sich oder andere von außen beeinflussen.

Bestrafung – Was tun gegen Wettbetrug?

Wenn Manipulation und Wettbetrug dann einmal auffliegen, stellt sich die Frage nach der angemessenen Strafe. In den meisten in den Medien behandelten Fällen wurden überwiegend fünfstellige Beträge als Geldstrafen für die Beteiligten verhängt. Je nach Ausmaß der Manipulation kommt es allerdings auch zu Haftstrafen. Robert Hoyzer wurde zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Der wegen dieses und weiteren Fällen der Wirtschaftskriminalität und Bestechung bekannt gewordene kroatische Wettbetrüger Ante Sapina „Don Ante“ wurde zunächst zu zwei Jahren und elf Monate Haft verurteilt, setzte danach jedoch seine illegalen Geschäfte fort. Im Falle der Karabatic-Brüder wurden die jeweils zweimonatigen Haftstrafen auf Bewährung ausgesetzt. Besonders für aktive Athleten oder auch Schiedsrichter werden außerdem zeitlich begrenzte oder auch lebenslange Sperren für ihre jeweiligen Tätigkeiten auferlegt.

Mit dem 2016 vom Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzentwurf zu Wettbetrug sollen nun Gefängnisstrafen zwischen drei und fünf Jahren, höhere Geldbußen und gegebenenfalls die Befugnis zur Telekommunikationsüberwachung ermöglicht werden. So sind erste Schritte in die richtige Richtung getan. Durch die mafiösen Strukturen in der Wettlandschaft scheint es jedoch weiterhin besonders schwierig, derartige Straftaten zu erkennen und insbesondere diese nachzuweisen.

Spieler oder Fans – wer sind die wahren Opfer?

Nach Aufdecken von Ungereimtheiten in einigen in Spanien und Portugal stattfindenden Spielen im internationalen Tennis durch die spanische Polizei betitelte diese die beteiligten Athleten als die eigentlichen „Opfer“. Die Spieler hatten von den Wettpaten angeblich deutlich geringere Summen erhalten hatten als ihnen vorher versprochen wurde. Vergleichsweise sichere, hohe Gehälter in den jeweiligen Top-Ligen der meisten Sportarten sollten eine gewisse Sicherheit für Athleten bieten. Immenser Leistungsdruck und die Angst vor Verletzung oder dem vorzeitigen Karriereende und damit verbundene finanzielle Sorgen könnten unter weniger gut vergüteten Athleten allerdings für eine höhere Anfälligkeit für Bestechung durch die „Wettmafia“ sprechen. Dies wäre natürlich noch lange keine Entschuldigung. Tatsächlich erscheinen sowohl Schiedsrichter als auch Athleten vor dem Hintergrund des Wettbetrugs meist als eine Art Marionetten der „Wettmafia“.

Vergleichsweise wenig Beachtung wird in Verbindung mit Manipulationsskandalen allerdings denen geschenkt, die durchaus unmittelbar von diesen betroffen sind, jedoch keinen bzw. nur sehr geringen Einfluss haben – den Fans. Natürlich können auch Fans durch hohe Wetteinsätze und -gewinne von manipulierten Wettbewerben profitieren. Aus Sicht der wahren Sportenthusiasten und Anhänger bestimmter Vereine oder Athleten stellen Spiel- und Wettbewerbsmanipulationen aber besonders eine Gefahr für das zentrale Merkmal der Integrität des Sports dar, nämlich die Offenheit des jeweiligen Ausgangs eines Wettbewerbs. Somit verliert der für diese Gesellschaft so bedeutende Sport durch derartige Betrüge massiv an Glaubwürdigkeit.

Während also die Frage nach der Schuld relativ leicht zu beantworten ist – viele Menschen sind wohl käuflich, aber ohne die „Wettmafia“ wäre zumindest das Ausmaß von Manipulation und Wettskandalen bedeutend geringer – scheint es im Profi-Sport in absehbarer Zukunft trotz neuer Gesetze und dem starken Willen, Betrug aktiv entgegen zu wirken keine Garantie für ein absolutes Fairplay zu geben.

Zum Weiterlesen/-schauen

Studie – Falsches Spiel:

http://universaar.uni-saarland.de/monographien/volltexte/2015/136/pdf/falsches_spiel_komplett.pdf

Studie – Match Fixing and Sports Betting in Football:

http://www.sas.upenn.edu/ppe-repec/ppc/wpaper/0008.pdf

WDR Dokumentation:

http://www.ardmediathek.de/tv/Sport-inside/Falsches-Spiel-Wettmanipulation-im-Ten/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=1493328&documentId=42669454

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